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Verh�ltnis zum Deutschtum


Wie steht es nun bei Kant mit diesem "Republikanismus"? Wie �berhaupt mit seiner Stellung zu der wahren Grundlage aller �u�eren politischen Erfolge: der inneren Politik? Ehe wir das an der Hand seiner Schriften entwickeln, seien einige Bemerkungen �ber sein Deutschtum vorausgeschickt, das noch sehr wenig bekannt sein d�rfte. Gewi� hat sich unser verstandesklarer Philosoph niemals etwas aus dem Teutonentum des sp�teren Klopstock und seiner noch fanatischeren Nachtreter gemacht; auch achtet er, wie wir gleichfalls schon bemerkten, in �bereinstimmung mit dem Geschmack der gesamten Aufkl�rung, das Mittelalter im ganzen gering, wenn auch in den Reflexionen der 70er Jahre einmal eine bei weitem g�nstigere Beurteilung der Germanen aus der V�lkerwanderungszeit sich findet: "Die rohen V�lker waren keine Barbaren, sie nahmen Kultur an, Disziplin, und hatten mehr Gelindigkeit des Naturells mit Freiheitsgeist verbunden und also mehr F�higkeit und Willen, nach Gesetzen regiert zu werden, als die R�mer" (XV, Nr. 1406). Allein auch abgesehen von seiner Anh�nglichkeit an die engere Heimat, hat er Verst�ndnis f�r deutsches Wesen sich stets bewahrt. Das tritt nicht nur in seiner hohen Sch�tzung der deutschen Sprache (vgl. Buch III, Kap. 9), sondern auch in den Urteilen �ber den deutschen Charakter hervor, denen wir an zahlreichen Stellen der Anthropologie und der Losen Bl�tter begegnen. Er r�hmt die Ehrlichkeit, die H�uslichkeit, die Ausdauer, den Flei�, die Reinlichkeit, die Bescheidenheit, die Gastfreiheit der Deutschen, �berhaupt ihren "guten Charakter". Auch in der Wissenschaft zeigten sie gutes Urteil, Dispositionsgabe und Genauigkeit, freilich, da sie zu sehr an Grunds�tzen und Regeln klebten, auch Mangel an Genie. Aber "blenden sie auch nicht durch Neuigkeit", so sind sie doch "t�chtig durch Stetigkeit". Und aus seinem Tadel ihrer allzugro�en F�gsamkeit, die sie als Untertanen "leicht zu regieren" und zu drillf�higen Soldaten macht, und die sich oft zu Unterw�rfigkeit, Nachahmungs- und Titelsucht steigert, ihrer Pedanterie, des "Tabellenwesens in �mtern" usw. spricht schlie�lich doch blo� verhaltene Diebe.

Als eine Haupttugend der Deutschen aber wird ger�hmt, dass sie � keinen Nationalstolz besitzen, dass sie "kosmopolitisch aus Temperament sind und kein Volk hassen als h�chstens zur Wiedervergeltung" (XV, Nr. 1354). Darum scheint es unserem Philosophen "dem deutschen Charakter wenigstens vor jetzt (!) nicht angemessen, ihm von einem Nationalstolz vorzuschwatzen. Das ist eben ein seinen Talenten wohl anstehender Charakter, keinen solchen Stolz zu haben, ja gar anderer V�lker Verdienste eher als seine eigene zu erkennen" (ebd. 1351). Allerdings will die Vorsehung, dass die V�lker nicht "zusammenflie�en" sollen; ebendeswegen existiert ein "Mechanismus" in der Welteinrichtung, der sie "instinktm��ig" verkn�pft, aber auch absondert. Insofern sind "der Nationalstolz und Nationalha� zur Trennung der Nationen notwendig". Und die "Regierungen sehen diesen Wahn gerne!" Aber Instinkte sind "blind" und "dirigieren" nur "die Tierheit an uns". Sie m�ssen deshalb "durch Maximen der Vernunft ersetzt werden". Und "um deswillen ist dieser Nationalwahn auszurotten, an dessen Stelle Patriotism und Kosmopolitism treten mu�" (1353). Patriotismus und Kosmopolitismus sind also f�r unseren Kant ein Begriff, wahre Vaterlandsliebe zugleich echtes Weltb�rgertum.


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Seite zuletzt aktualisiert: 18.01.2007 
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