close
Image
Image
Image Image





Image
Image
Image

Sechstes Kapitel
Verh�ltnis zu den geistigen und literarischen Str�mungen der Zeit: Aufkl�rung, Erziehungsreform, Genieperiode

Anthropologische Studien


Man trifft vielfach auf die Vorstellung, Kant sei in dem Jahrzehnt 1770�80, v�llig in Anspruch genommen durch die tiefsch�rfende Arbeit an der Kritik der reinen Vernunft, von allem anderen, was geistig um ihn herum vorging, unber�hrt geblieben. Diese Vorstellung ist vollkommen irrig.

Dass ihn zun�chst die Probleme der Naturwissenschaften, und zwar jetzt st�rker auch die biologisch-anthropologischen, fortdauernd weiter besch�ftigten, beweisen nicht blo� die neu aufgenommenen Vorlesungen �ber Anthropologie, sondern auch zwei � die einzigen � literarischen Ver�ffentlichungen aus der ersten H�lfte dieses Jahrzehnts. Der italienische Anatom Moscati hatte in einer Universit�tsrede 'Von dem k�rperlichen wesentlichen Unterschiede zwischen der Struktur der Tiere und Menschen' zu beweisen gesucht, dass der aufrechte Gang dem Menschen unnat�rlich sei und ihm viele Nachte�e gegen�ber den Tieren bringe. Gerade das Paradoxe an dieser Ansicht fesselte unseren Philosophen, und so ver�ffentlichte er denn in den 'K�nigsberger gelehrten und politischen Zeitungen' vom 23. August 1771 eine l�ngere anonyme Besprechung, in der er "unserem italienischen Doktor" dahin beistimmt, dass in der Tat f�r des Menschen n�chste Aufgabe, die Erhaltung seiner Art, die vierf��ige Stellung die zweckm��igste gewesen sei, w�hrend f�r die weitere gesellschaftliche Entwicklung die zweif��ige sich als die geschickteste erwiesen habe. Auch im Nachla� wird Moscati mehrfach erw�hnt und aus ihm der Schlu� gezogen, dass "der Mensch im Anfange in der Tierheit gewesen und die Keime derselben noch �brig seien" (Akad. Ausg. XV, Nr. 1387; vgl. 1260, 1498, 1499), ja die Frage aufgeworfen, ob der Mensch "mit dem Gibbon oder Orang-Utang verwandt sei" (Nr. 1521, S. 885).

Eine Weiterf�hrung der Abstammungsfragen gab dann die kleine Abhandlung 'Von den verschiedenen Rassen der Menschen', die er Ostern 1775 der Ank�ndigung seines Geographie-Kollegs als Begleitschrift beigab. Danach sind alle anscheinend neuen Arten von lebenden Wesen "nichts anderes als Abartungen und Rassen von derselben Gattung, deren Keime und nat�rliche Anlagen sich nur gelegentlich in langen Zeitr�umen auf verschiedene Weise entfaltet haben". Die Einzelheiten seiner Rassetheorie sind heute nat�rlich veraltet. Aber nicht blo� die naturwissenschaftlichen Probleme verfolgte Kant auch in jener Zeit weiter, sondern er blieb auch in Ber�hrung mit beinah allen geistig-literarischen Bewegungen der Zeit. Das zeigen sowohl die Nachschriften seiner Vorlesungen wie die losen Bl�tter seines Nachlasses, die sich auf alle m�glichen, zum Teil weit auseinander liegenden, Wissensgebiete erstrecken. Nach dem Zeugnis aller seiner Bekannten war er ein "gewaltiger Leser"; und wenn er sich auch keine gr��ere eigene B�cherei anschaffte, konnte er doch, durch seine best�ndige nahe Verbindung mit K�nigsberger wie mit ausw�rtigen Buchh�ndlern, neuen Lesestoff haben, soviel sein Herz begehrte.


Image
Image
Image
ImageImage
 © textlog.de 2004 � 26.08.2026 21:11:53 �
Seite zuletzt aktualisiert: 30.12.2006 
Image
ImageImageImageImage
ImageImage
bibliothekImageImage
Image
textImage
ImageImage
  Home  Impressum  CopyrightImage