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Hume


Es k�nnte auf den ersten Blick als ein Widerspruch erscheinen, wenn wir hier von einer gleichzeitig stattfindenden Beeinflussung unseres Weisen durch den leidenschaftlichen Gef�hlsphilosophen Rousseau und den entschiedenen Skeptiker David Hume reden. Und doch ist ein solcher gleichzeitiger Einflu� nicht blo�, wie wir bereits sahen, unwidersprechlich bezeugt, sondern er ist auch innerlich verst�ndlich. Haben doch Leute, die in noch viel schw�rmerischerer Weise als der Genfer Denker auf das Recht des Gef�hls pochten, welche die Gef�hlsphilosophie zur Philosophie des Glaubens umbildeten, haben doch Hamann und sp�ter Friedrich Heinrich Jacobi die Skepsis Humes gewisserma�en zur Unterlage ihres eigenen Gedankengeb�udes benutzt. Und, w�re Kant nicht schon von selbst zu Hume gekommen, so h�tte ihn Hamanns Brief vom 27. Juli 1759 auf den schottischen Denker aufmerksam gemacht. Aber wir wissen aus dem Munde Borowskis, der von 1755 ab mehrere Jahre hindurch sein Zuh�rer war, dass ihm schon damals "Hutcheson und Hume, jener im Fache der Moral, dieser in seinen tiefen philosophischen Untersuchungen, ausnehmend wert waren", und er beide "uns zum sorgf�ltigsten Studium empfahl".*) Wir k�nnen den ersten weniger wichtigen Denker beiseite lassen, wie wir es denn � das sei hier gleich ein- und f�r allemal bemerkt � nicht als unsere Aufgabe ansehen, in dieser anderen Zwecken gewidmeten Biographie jedem philosophiegeschichtlichen Einfl�sse, der sich in Kants Entwicklung bemerkbar macht, nachzugehen. Zumal da wenige Denker in dem Ma�e wie er ihre geistige Selbst�ndigkeit bewahrt, fremde Ansichten ihrem Standpunkt blo� angepa�t haben.**) Aber Hume bedeutet ihm, wie Rousseau, in der Tat einen Wendepunkt, mindestens einen kr�ftigen Ansto� zu der endg�ltigen Abwendung von der alten Metaphysik, die in seinen bisherigen Schriften schon vorbereitet war; damit war dann zugleich auch der Boden zu einer anderen Auffassung der Moral gegeben.

Wie f�r Rousseaus Einflu� auf seine moralisch-praktische, so besitzen wir auch f�r denjenigen Humes auf seine theoretische Stellungs�nderung eine klassische Stelle. Wir meinen nat�rlich den ber�hmten Satz aus den 'Prolegomenen' (1783): "Ich gestehe frei, die Erinnerung des David Hume war eben dasjenige, was mir vor vielen Jahren den dogmatischen Schlummer unterbrach und meinen Untersuchungen im Felde der spekulativen Philosophie eine ganz andere Richtung gab." Also: wie Rousseau ihn praktisch "zurecht gebracht", so hat Hume ihn aus dem bisherigen theoretischen "Schlummer" geweckt. In welche Jahre die verschiedenen Einwirkungen des schottischen Philosophen fallen, auf welche Einzelprobleme sie sich beziehen, welche Schriften ihm bekannt waren u. a. m., das ist seit lange Gegenstand mannigfacher Meinungsk�mpfe unter den Fachm�nnern gewesen. Wir, die wir nur die gro�en Linien von Kants philosophischem Werdegang verfolgen wollen, m�ssen es uns versagen, auf diese mannigfaltigen Untersuchungen (von Kuno Fischer, Paulsen, Vaihinger, H�ffding, A. Riehl, B. Erdmann, um nur die Bekanntesten zu nennen) einzugehen. Das Wichtigste dieser Einfl�sse wird uns von selbst klar werden, wenn wir seine allgemeine philosophische Entwicklung bis in die 70er Jahre hinein, das bedeutet zun�chst die Grundrichtung seiner Schriften der 60er Jahre verfolgen.

 

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*) Hutchesons "System der Moralphilosophie" war 1755, Humes "Untersuchung des menschlichen Verstandes" zwar schon 1748, aber deutsch � und es ist sehr zweifelhaft, ob Kant englische Schriften zu lesen verstand � auch erst "1756 erschienen. Wir wissen jetzt durch eine freundliche Mitteilung von Fr�ulein R. Burger (G�ttingen), dass Kant eine deutsche �bersetzung von Hume aus dem Jahre 1759 besa�, die au�er der 'Nat�rlichen Geschichte der Religion' und der Abhandlung 'Von den Leidenschaften' noch zwei k�rzere Aufs�tze �ber das Trauerspiel und die Grundlagen des Geschmacks enthielt.

**) Wir stimmen daher ganz der Annahme Benno Erdmanns (Vorrede zu Kants Reflexionen I, S. XX f.) bei, dass der Kantische Empirismus der 60er Jahre vielmehr eine Folge von Kants eigenen Problemstellungen ist, die durch Newton (und Crusius) bei ihm in Flu� gebracht sind und sich dann mit Lockes und Humes Gedankeng�ngen begegnen.


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