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B. Plastik


Dasselbe wie von der Baukunst, l��t sich von seiner Kenntnis und Wertung der Plastik sagen. Hier bot ihm die Vaterstadt noch weniger Anschauungsmaterial: wie denn �berhaupt in dem damaligen Deutschland seit Schl�ters Tode (1714) auf beiden Gebieten kein bedeutendes Werk entstanden war. Die deutschen Bildhauer verharrten im franz�sischen Rokoko-Geschmack, bis Winckelmann auftrat und der Kunst neue Bahnen wies. Aber es zeigt doch den richtigen �sthetischen Instinkt unseres Philosophen, dass er die grundlegende Bedeutung dieses Neuerers bald erkannt und ihn eifrig studiert hat. Von Winckelmanns antikisierender Kunstauffassung zeigt er sich denn auch im Ganzen und, wie Schlapp gezeigt hat, auch im Einzelnen vielfach abh�ngig. "Von Winckelmann stammt Kants Lehre vom Ideal und seiner Beschr�nkung auf den Menschen und die plastische Kunst, von der Normalidee oder dem Mittelma� (Polyklets Doryphoros), von der Unbezeichnung und dem idealen Kontur, von der Bedeutung der Allegorie und der �sthetischen Attribute, von der unerreichbaren Musterg�ltigkeit der Antike, von den Kulturbedingungen der antiken Kunstbl�te, von der edlen Einfalt und Gelassenheit des klassischen Geschmacks und seinem Gegensatz zu der orientalischen und gotischen Phantastik, ... von dem Vorzug der m�nnlichen vor der weiblichen Sch�nheit, von der ewige Jugend und affektlose freie Ruhe ausdr�ckenden idealen Gesichtsbildung der griechischen G�ttergestalten, ... von der Funktion der Farbe in der Plastik". "Von Winckelmann ... die Notiz von der geistvollen Bildung und den zu langen Beinen des Apoll von Belvedere, von dem Mittel zwischen Feistigkeit und Magerkeit in den Statuen des Bacchus, dem Torso des Herkules und der Hinweis auf die sch�nen Schlangen des Laokoon" (Schlapp, a. a. O., S. 414 f.), vielleicht auch der auf die reine Sch�nheit des griechischen Profils. Es ist hier nicht der Ort, nachzupr�fen, ob wirklich alle diese S�tze Kants aus Winckelmanns Schriften, insbesondere seiner ber�hmten 'Geschichte der Kunst des Altertums' (1764) entlehnt sind: genug f�r unseren Zweck, dass eine weitgehende �bereinstimmung vorliegt,*) dass Kant gerade auf dem Felde der Plastik in erster Linie die Antike als das ewig g�ltige Muster ansieht, also eine ausgesprochene Kunstansicht besitzt. Inwieweit dieselbe freilich � da er Originale nie gesehen � durch die Kenntnis guter Abbildungen antiker Werke unterst�tzt worden ist, entzieht sich unserer Beurteilung. In der reichen Kupferstichsammlung des Keyserlingschen Hauses (Buch II, Kap. 5) h�tte er ausreichende Gelegenheit gehabt. Ob und in welchem Ma�e er sie benutzt hat? In seinen Schriften weist keine Stelle auf eine lebendigere Anschauung hin: er nennt au�er Polyklets Lanzenschwinger und Myrons Kuh (Kr. d. Urt.) nur einmal beil�ufig die Venus von Medici (Anthropol. 242) und im Nachla� (XVI, S. 138) die des Praxiteles. Was seine �ltesten Biographen berichten, l��t wenig erhoffen. Borowski erz�hlt (S. 175 f.): "Auf Gem�lde und Kupferstiche, auch von vorz�glicher Art, schien er nie sehr zu achten. Ich habe nie bemerkt, dass er irgendwo, auch wo mau allgemein gelobte und bewunderte Sammlungen hievon in den S�len und Zimmern vorfand, seine Blicke besonders darauf gerichtet oder eine sich irgend wodurch auszeichnende Wertsch�tzung f�r die Hand des K�nstlers gezeigt h�tte. Au�er J. J. Rousseaus Kupferstich, der in seinem Wohnzimmer war, befand sich nichts von dieser Art in seinem ganzen Hause."

 

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*) Auch auf die sonstigen Nachweise und Vermutungen Schlapps und anderer, auf welche deutschen und englischen �sthetiker des 18. Jahrhunderts (Leibniz, Baumgarten, Meier, R. Mengs, Burke, Hutcheson, Home, Hume, Shaftesbury, Addison, Gerard u. a.) Kants Kunstansichten zur�ckgehen und bis zu welchem Grade, einzugehen, ist hier nicht der Platz.


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