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Nachwirkungen


Es w�re heilsamer f�r die Entwicklung der Naturwissenschaften zu Anfang des 19. Jahrhunderts gewesen, wenn man den methodischen Gesichtspunkten Kants gefolgt w�re. So aber lie�en sich gerade die philosophischeren unter den Naturforschern verleiten, den lockenden Bahnen Schellings und verwandter Geister nachzuwandeln, w�hrend die Besonneneren und N�chternen abgesto�en von der Willk�r dieser philosophischen Romantiker, sich ganz auf die empirische Einzelforschung beschr�nkten und "Philosophie" f�r gleichbedeutend mit Irrtum oder Phantasterei erkl�rten. Erst mit der kritischen Neubesinnung, die im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts dem Niedergang der philosophischen Spekulation folgte, ging man auch auf diesem Felde wieder auf Kant zur�ck. Zu den ersten unter den bedeutenden Naturforschern, die aufs neue an den Kritizismus ankn�pften, geh�rte Hermann Helmholtz, der besonders Kants "fortlaufende Predigt gegen den Gebrauch der Kategorien des Denkens �ber die Grenzen m�glicher Erfahrung hinaus" sympathisch begr��te und in der unumst��lichen Grundlage des Kausalgesetzes das "Vertrauen auf die vollkommene Begreifbarkeit der Naturerscheinungen" ausgesprochen sah. Noch enger schlo� sich sein fr�h verstorbener Sch�ler Heinrich Hertz in seinen 'Prinzipien der Mechanik' (1894) der kritischen Methode an. Von philosophischer Seite hatte zuerst F. A. Lange in seiner ber�hmten 'Geschichte des Materialismus' (2. Aufl., 1875) auf Kants Bedeutung f�r die Naturwissenschaft hingewiesen. Gegenw�rtig betont die von H. Cohen und P. Natorp begr�ndete "Marburger" Schule den Erkenntniswert der kritischen Philosophie besonders f�r die Fundamentierung von Mathematik und Physik. Aber auch die moderne Biologie weist, wenigstens in einzelnen ihrer Vertreter, wieder auf das Verdienst unseres Philosophen hin, dem z. B. Gustav Wolff in seinem 'Mechanismus und Vitalismus' (1902) eine "weit tiefere Einsicht in das Wesen biologischer Vorg�nge" als der "heute noch herrschenden Biologie zuspricht".

So erweist sich denn auch auf diesem Wissenschaftsgebiete Kant zwar nicht als epochemachender Fachmann, wohl aber als der gro�e Anreger, der ins Unendliche fortwirkt. Nichts ist verkehrter, als ihn f�r einen starren Systematiker zu halten, der den Inhalt irgendwelcher positiven Wissenschaft jemals als abgeschlossen erachtet h�tte: ihn, der keine fertige Philosophie, sondern philosophieren lehren wollte, ihn, der selbst von der "apodiktischsten" aller Wissenschaften, der "gro�en und bew�hrten Erkenntnis" der Mathematik, die schon zu seiner Zeit einen "bewundernsw�rdigen Umfang" erreicht hatte, erkl�rte, dass sie eine "unbegrenzte Ausbreitung auf die Zukunft verspreche" (Proleg. � 6).


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Seite zuletzt aktualisiert: 03.01.2007 
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