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6. Ergebnisse


Auch Kant ermangelt nicht der F�higkeit der Intuition Wir brauchen nur an seine von k�hnster Phantasie zeugenden Hypothese von der Entstehung des Himmelsgeb�udes oder an seine darwinistischen Vorahnungen zu erinnern oder den noch nicht erw�hnten, in den Losen Bl�ttern aus der Zeit von 1773 auftauchenden genialen Gedanken hervorzuheben, dass wie die Quantit�t der Materie, so auch die des Lebens in der Welt trotz aller Ver�nderungen immer dieselbe bleibe (Ak.-Ausg. XIV, S. 282 f.). Dazu seine gro�artige Gabe, das scheinbar entferntest Liegende miteinander zu kombinieren. An der dem echten Wissenschafter n�tigen Gabe der Phantasie hat es unserem Denker sicherlich nicht gefehlt. Aber sie f�hrt bei ihm nie, wie bei Schelling oder Hegel und, obwohl in geringerem Grade, doch auch bei Goethe, zum Hineintragen willk�rlicher eigener Gedanken in die empirische Forschung. Im Gegenteil, er wird nicht m�de, immer wieder als den einzig sicheren Grund und Boden gerade auch der Naturwissenschaft die Erfahrung zu bezeichnen. Charakteristisch f�r den inneren Gegensatz unseres Kritikers zu seinen spekulativen Nachfolgern ist das gut bezeugte Faktum, dass die n�mliche Entdeckung des ersten Planetoiden (1801), welche die Behauptung von Hegels gleichzeitiger Dissertation, zwischen Mars und Jupiter k�nne es keine Planeten geben, durch die einfache Tatsache L�gen strafte, unseres Philosophen gr��te Freude erregte, zumal da seine eigenen Vermutungen dadurch best�tigt wurden. Nicht auf den Bahnen von Schellings, Hegels und ihrer Nachfahren hochfliegender Naturphilosophie ist die moderne Naturwissenschaft zu ihren gl�nzenden Ergebnissen gelangt, sondern auf dem bescheideneren, von Kant empfohlenen und beschrittenen Wege strenger methodischer Arbeit in der fruchtbaren Ebene der Erfahrung.

Damit kommen wir zu dem Kernpunkt des Ganzen zur�ck. Kants eigentliche St�rke auf dem Gebiete der Naturwissenschaft beruht nicht auf noch so interessanten Einzelhypothesen, sondern auf seiner im besten Sinne philosophischen Arbeit daran: dem Durchleuchten mit Ideen, aber mehr noch dem Herausarbeiten des Methodischen, der Scheidung des zu Trennenden und der Verbindung des Zusammengeh�rigen, und schlie�lich der Einordnung der verschiedenen, zun�chst voneinander kritisch zu scheidenden Zweige und Disziplinen der Naturwissenschaft in das System der Philosophie �berhaupt.

Dass der Schwerpunkt seiner naturphilosophischen Leistung in der Begr�ndung der mathematischen Naturwissenschaft liegt, dar�ber besteht wohl kein Zweifel. Aber auch f�r die biologischen Probleme gibt Kants Methode zum Teil heute noch das l�sende Wort. Schon seine Begriffsbestimmung des Lebens in den 'Metaphysischen Anfangsgr�nden der Naturwissenschaft' (1786) d�rfte in dieser Beziehung zu beachten sein. Leben hei�t dort (Kap. III, Lehrsatz 3, Anm.) das Verm�gen einer materiellen Substanz, sich aus einem inneren Prinzip zur Bewegung oder Ruhe, als Ver�nderung ihres Zustandes, zu bestimmen. Daraus folgt, dass alle Materie an sich leblos ist. Der Hylozoismus, die Lehre von der Beseelung des Stoffes, wird daher "der Tod aller Naturphilosophie" genannt. Denn ein solches "inneres Prinzip" kann uns in keiner Erfahrung gegeben werden. Dessen sollten die modernen Erneuerer des Vitalismus ebenso eingedenk sein, wie der "Monist" Ernst Haeckel, wenn er, seinem sonstigen anerkennenswerten naturwissenschaftlichen Radikalismus zum Trotz, schon seine Protisten mit einer "Seele" versieht, oder die Atome bei ihrer Verdichtung Lust, bei ihrer Spannung und Verd�nnung Unlust f�hlen l��t.

Den Begriff der Seele hat Kants Erkenntniskritik ebenfalls endg�ltig aufgekl�rt, indem er auch hier den Grundsatz reinlicher Scheidung verficht, jedem Teile � der Psychologie wie der Physiologie � das Seine gibt. Bereits in der Kosmogonie von 1755 wird die Abh�ngigkeit der Seele vom K�rper, durch dessen "Gemeinschaft und Einflu�" sie "allein alle Begriffe des Universi" �berkommt, als "aus den Gr�nden der Psychologie ausgemacht" angenommen. Und ebenso deutlich hat er gegen Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn in dem an den Anatomen S�mmerring gerichteten Schreiben vom 10. August 1795 '�ber das Organ der Seele' seinen Standpunkt gekennzeichnet. Die "Seele" des Psychologen oder Logikers hat �berhaupt keinen Raum, ist uns nicht �rtlich, sondern blo� "virtuell" gegenw�rtig, geh�rt mithin blo� "f�r den Verstand". Der Physiologe dagegen hat, ohne seine Aufgabe "mit der Metaphysik zu bemengen", lediglich "mit der Materie zu tun", welche "die Vereinigung aller Sinnenvorstellungen im Gem�t", d. h. hier der Einbildungskraft, erst "m�glich macht". Ereilich k�nne S�mmerrings Annahme vom Wasser der Gehirnh�hle als dem "Seelenorgan", das die speziellen Sinnesnerven miteinander verbindet und doch auch wieder sondert, dieses "gemeinsame Organ (sensorium commune)" nur nach seiner chemischen Zergliederung begreiflich machen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 03.01.2007 
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