
Ekel vor dem Fr�hst�ck
(1919)
Sehr viele Kinder haben einen oft un�berwindlichen Ekel vor dem Genu� des Fr�hst�cks, lieber gehen sie mit leerem Magen in die Schule, zwingt man sie aber zum Essen, so kommt es vor, da� sie sich �bergeben. - Ich wei� nicht, ob die Kinder�rzte eine physiologische Erkl�rung f�r dieses Symptom haben. Ich fand hief�r eine psychologische Deutung, die sich bei einer psychoanalytischen Untersuchung ergeben hat.
Im Falle dieses Patienten perpetuierte sich diese Idiosynkrasie bis ins erwachsene Alter und mu�te als eine Verschiebung des unbewu�ten Ekels vor der Hand der Mutter gedeutet werden. Er wu�te schon als junges Kind von den Sexualbeziehungen der Eltern, verdr�ngte aber dieses sein Wissen, da es mit seinen z�rtlichen Regungen und seiner Achtung unvereinbar war. Als aber die Mutter am Morgen aus dem Schlafzimmer kam und mit denselben H�nden, die bei jenen verp�nten Handlungen eine Rolle spielen mochten, das Fr�hst�ck bereitete, m�glicherweise zuvor noch die Hand vom Kinde k�ssen lie�: da kam die unterdr�ckte Regung als Ekel vor dem Fr�hst�ck zum Vorschein, ohne da� dem Kind die wahre Ursache seiner Idiosynkrasie bewu�t geworden w�re.
Es w�re die Aufgabe der Kinder�rzte nachzuforschen, ob diese Deutung auch f�r andere oder etwa f�r alle zutrifft. Auch der Weg zu einer Therapie w�re so gegeben.
Bei einer anderen Gelegenheit wies ich darauf hin, da� die eigenartige Assoziation des Ekelgef�hls mit der Ausdrucksbewegung des Spuckens und Erbrechens darauf hinweist, da� im Unbewu�ten eine koprophile Tendenz zum Schlecken des �Ekelhaften� vorhanden ist, Spucken und Erbrechen also bereits als Reaktionsbildungen gegen die Koprophagie aufzufassen sind. Diese Auffassung gilt nat�rlich auch f�r den �Ekel vor dem Fr�hst�ck�.