close
Image
Image
Image Image





Image
Image

Zur Ontogenese der Symbole

(1913)

Image

 

Die Bemerkungen Dr. Beaurains1) �ber die Wege, auf denen das Kind zur Bildung der ersten Allgemeinbegriffe gelangt, kann jeder, der die geistige Entwicklung des Kindes unmittelbar oder durch Vermittlung der Eltern mit psychologisch gesch�rftem Blick zu verfolgen Gelegenheit hat, vollauf best�tigen. Es unterliegt keinem Zweifel, da� das Kind (wie das Unbewu�te) zwei Dinge auf Grund der geringsten �hnlichkeit identifiziert, Affekte vom einen auf das andere mit Leichtigkeit verschiebt und beide mit demselben Namen belegt. Ein solcher Name ist also der hochverdichtete Repr�sentant einer gro�en Anzahl von grundverschiedenen, aber irgendwie (wenn auch noch so entfernt) �hnlichen und daher identifizierten Einzeldingen. Die Progression in der Realit�tserkenntnis (der Intelligenz) �u�ert sich dann beim Kinde in der fortschreitenden Aufl�sung solcher Verdichtungsprodukte in ihre Elemente im Erlernen der Unterscheidung der in einer Hinsicht �hnlichen, aber sonst verschiedenen Dinge von einander. Diesen Vorgang haben schon viele richtig erfa�t und beschrieben; die diesbez�glichen Mitteilungen Silberers und Beaurains brachten dazu weitere Best�tigungen und vertieften die Einsicht in die Einzelheiten dieses geistigen Entwicklungsprozesses.  

Beide Autoren sehen in der infantilen Unzul�nglichkeit des Unterscheidungsverm�gens die Hauptbedingung f�r das Zustandekommen der onto- und phylogenetischen Vorstufen der Erkenntnisvorg�nge.  

Einen Einwand m�chte ich hier nur gegen die Benennung aller dieser Erkenntnis-Vorstufen mit dem Worte �Symbol� erheben; auch Gleichnisse, Allegorien, Metaphern, Anspielungen, Parabeln, Embleme, indirekte Darstellungen jeder Art k�nnen im gewissen Sinne als Produkte solcher unscharfer Distinktionen und Definitionen aufgefa�t werden und doch sind sie - in psychoanalytischem Sinne - keine Symbole. Symbole im Sinne der Psychoanalyse sind nur solche Dinge (resp. Vorstellungen), denen im Bewu�ten eine logisch unerkl�rliche und unbegr�ndete Affektbesetzung zukommt und von denen analytisch festzustellen ist, da� sie diese affektive �berbetonung der unbewu�ten Identifizierung mit einem anderen Dinge (Vorstellung) verdanken, dem jener Affekt�berschu� eigentlich angeh�rt. Nicht alle Gleichnisse sind also Symbole, sondern nur jene, bei denen das eine Glied der �quation ins Unbewu�te verdr�ngt ist.2) In demselben Sinne fassen Rank und Sachs das Symbol auf3): �Wir verstehen darunter�, hei�t es bei ihnen, �eine besondere Art der indirekten Darstellung, die durch gewisse Eigent�mlichkeiten vor den ihr nahestehenden des Gleichnisses, der Metapher, der Allegorie, der Anspielung und anderer Formen der bildlichen Darstellung von Gedankenmaterial (nach Art des Rebus) ausgezeichnet ist�, �es ist ein stellvertretender anschaulicher Ersatzausdruck f�r etwas Verborgenes.�  

Nach alledem ist es vorsichtiger, die Entstehungsbedingungen des Symbols nicht ohne weiteres mit denen der Gleichnisbildung �berhaupt gleichsetzen zu wollen, sondern f�r diese spezifische Art der Gleichnisbildung spezifische Entstehungsbedingungen vorauszusetzen und darnach zu forschen.  

Die analytische Erfahrung zeigt uns nun in der Tat, da�, obzwar auch bei der Bildung wirklicher Symbole die Bedingung der intellektuellen Insuffizienz erf�llt sein mu�, die Hauptbedingungen zu ihrem Zustandekommen nicht intellektueller, sondern affektiver Natur sind. Ich will das an einzelnen, z. T. schon anderw�rts mitgeteilten Beispielen aus der Sexualsymbolik zeigen.  

 

1) ��ber das Symbol und die psychischen Bedingungen f�r sein Entstehen beim Kinde�, 1913.

2) Siehe dazu meine diesbez�gl. Bemerkungen in fr�heren Aufs�tzen: �Die Onanie�, �Zur Augensymbolik�, �Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes�. Siehe auch mein Referat �ber Jungs Libidoarbeit [�Kritik der Jungschen 'Wandlungen und Symbole der Libido'�].

3) Die Bedeutung der Psychoanalyse f�r die Geisteswissenschaften, S. 11 ff.

 


Image
Image
Image
ImageImage
 © textlog.de 2004 � 27.08.2026 13:26:01 �
Seite zuletzt aktualisiert: 02.01.2005 
Image
ImageImageImageImage
ImageImage
bibliothekImageImage
Image
textImage
ImageImage
  Home  Impressum  CopyrightImage