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�ber lenkbare Tr�ume

(1912)


Der �Traum im Traume� ist, wie es Stekel erkannte, die Erf�llung des Wunsches, da� alles, was die Traumgedanken besch�ftigt, unwahr, irreal, ein Traum sein m�chte. Es gibt aber auch Tr�ume, in denen der Schlafende sich �ber das Traumhafte seiner Gedanken gleichfalls Rechenschaft gibt, die aber eine andere Erkl�rung des Bewu�twerdens des Traumzustandes zu erfordern scheinen.  

Viele Menschen, die das Schlafen und Tr�umen als ein Mittel zur Flucht aus der Realit�t ben�tzen, wollen den Schlafzustand �ber die physiologische Notwendigkeit hinaus verl�ngern; darum neigen sie unter anderem zur traumhaften Verarbeitung der Weckreize. Ja, selbst wenn der Weckreiz zu stark war, um dessen Realit�t verkennen zu k�nnen, das hei�t, wenn sie wirklich erwachen, k�mpfen sie weiter mit der �Unf�higkeit� zum Aufstehen und ben�tzen jeden nichtigen Vorwand, um l�nger zu Bett bleiben zu k�nnen.

Einer dieser Patienten berichtet mir nun h�ufig von einer eigent�mlichen Art des Bewu�twerdens des Traumzustandes im Schlafe. In manchen seiner Tr�ume, die aus mehreren Szenen bestehen, vollzieht sich der Szenenwechsel nicht wie gew�hnlich unvermittelt, �berraschend und ohne bewu�ten Grund, sondern mit einer eigent�mlichen Motivierung: �In diesem Moment dachte ich mir� - lautet gew�hnlich die Schilderung des �berganges zwischen zwei Szenen -, �da� das ein schlechter Traum ist; der Traum mu� anders gel�st werden, und im selben Moment verwandelte sich die Szene.� Die nun folgende Szene brachte wirklich eine dem Tr�umenden entsprechendere L�sung.  

Der Patient tr�umt manchmal drei, vier Szenen nacheinander, die alle dasselbe Material mit verschiedenen Ausg�ngen verarbeiten wollen, die aber alle im entscheidenden Moment durch das Bewu�twerden des Traumzustandes und den Wunsch nach einer besseren L�sung gehemmt werden, bis etwa das letzte Traumbild ungehemmt zu Ende getr�umt werden kann. Dieses letzte Traumbild endet dann nicht selten mit einer Pollution. (Vgl. dazu Ranks Ansicht, da� alle Tr�ume Pollutionstr�ume sind.)  

Manchmal wird nach der Hemmung nicht die ganze Szene neu geschaffen, sondern der Schlafende denkt sich mitten im Traum: �So wird der Traum schlecht enden, und der Anfang war doch so sch�n, ich will ihn anders zu Ende tr�umen.� Und tats�chlich geht der Traum bis zu einem Punkt der vorhergegangenen Traumszene zur�ck und korrigiert im Anschlu� daran die als ung�nstig erkannte L�sung, ohne an der Szenerie oder an den Pers�nlichkeiten des ihm entsprechenden Anfangs des Traumes etwas zu �ndern.  

Zum Unterschied vom Wachtr�umen, das ja auch unter verschiedenen Ausg�ngen und M�glichkeiten die Wahl trifft, mu� hervorgehoben werden, da� diese �lenkbaren Tr�ume�, wie ich sie nennen m�chte, nicht das rationelle Gepr�ge der im Wachen produzierten Phantasien aufweisen, sondern ihren engen Zusammenhang mit dem Unbewu�ten durch ausgiebige Verwendung der Verschiebung, Verdichtung und der indirekten Darstellung verraten. Allerdings kommen in diesen Tr�umen recht h�ufig zusammenh�ngendere �Traumphantasien� vor.  

Wenn wir hinzunehmen, da� diese Tr�ume zumeist in den Morgenstunden getr�umt werden, und gerade von jemandem, der ein Interesse daran hat, den Schlaf- und Traumzustand m�glichst zu verl�ngern, so d�rften wir das Zustandekommen dieser merkw�rdigen Vermengung der bewu�ten und der unbewu�ten Denkvorg�nge eben aus einem Kompromi� zwischen dem ausgeschlafenen und darum erwachenwollenden Bewu�tsein und dem krampfhaften Festhaltenwollen am Unbewu�ten erkl�ren.  

Theoretisch ist diese Art von Tr�umen von Interesse, da sie eine introspektive Erkenntnis der wunscherf�llenden Tendenz der Tr�ume erbringt.

Auch kann dieser Einblick in die Motive des Szenenwechsels im Traum zur Erkl�rung des Zusammenhanges der in derselben Nacht erlebten Tr�ume �berhaupt herangezogen werden. Der Traum bearbeitet den das Seelenleben gerade besch�ftigenden Traumgedanken von allen Seiten her, l��t das eine Traumbild bei drohender Gefahr des Mi�lingens der Wunscherf�llung fallen, versucht es mit einer neuen Art der L�sung, bis es ihm endlich gelingt, eine die beiden Instanzen des Seelenlebens kompromissuell befriedigende Wunscherf�llung zu schaffen.

Auch die F�lle, in denen man infolge des Unlustcharakters der Traum bilder erwacht, um dann wieder einzuschlafen und �wie nach dem Verscheuchen einer Fliege� (Freud) weiter zu tr�umen, k�nnten von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet werden. Hief�r spricht folgender Traum eines jetzt hochgestellten und getauften Herrn von sehr einfacher j�discher Abstammung. Er tr�umt, da� sein verstorbener Vater in einem vornehmen Kreise erscheint und den Tr�umenden durch seine sch�bige Kleidung in Verlegenheit bringt. Die �u�erst peinliche Stimmung weckt den Schlafenden f�r einen Moment; doch bald schl�ft er wieder ein und tr�umt, da� sein Vater in demselben Kreise, nun aber dezent und fein gekleidet erscheint.


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Seite zuletzt aktualisiert: 02.01.2005 
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