
�u�eres Leben
Die Hauptver�nderung in Kants �u�erem Leben war wohl, dass er jetzt das Elternhaus verlie�, wenn wir auch nicht mit Bestimmtheit behaupten k�nnen, dass dies sofort geschah. Um seine Selbst�ndigkeit zu wahren, bewarb er sich auch nicht um Aufnahme in das f�r �rmere Studierende begr�ndete Alumnat. Hier h�tten Ober- und Unterinspektoren seinen Flei� beaufsichtigt, wie auch sonst die Hausordnung seine Freiheit in jeder Weise beschr�nkt.*) Aber er suchte sogar nicht einmal, wie viele andere Studiosen, u. a. auch ein Jahrzehnt sp�ter sein j�ngerer Bruder, ein Stipendium zu erlangen, das in der Regel doch nur Theologen zuteil ward. Sondern er erwarb sich das Notwendigste zu seinem Lebensunterhalt lieber als Vorlesungs-Repetitor j�ngerer oder weniger begabter Komm�itonen "f�r eine billige Belohnung, die jeder aus freiem W�len gab". So hat er lange mit seinem Freunde stud. jur. Wl�mer, mit dem er bis zu dessen Tode (1797) in vertrautem Verh�ltnis blieb, auf einer Stube gewohnt. Sp�ter gab ihm ein j�ngerer juristischer Freund Kallenberg "eine freie Wohnung und ansehnliche Unterst�tzung". Von einem dritten wohlhabenden Bekannten, dem Sohn des Kaplans Laudien aus T�sit, berichtet unsere Quelle (Kants alter Landsmann und Studienfreund, Kriegsrat He�sberg), dass er bei den "Zusammenk�nften zum Unterricht" die Kosten f�r die dabei aufgetischten Erfrischungen, d. h. den damals noch ziemlich teuren Kaffee und das dazu geh�rige Wei�brot, getragen und Kant auch sonst in Notf�llen unterst�tzt habe. �hnliches h�ren wir von seinem Conabiturienten und alten Duzfreund, dem langj�hrigen K�nigsberger Arzte Dr. Tr�mmer, der ihm ebenfalls den gew�hrten Unterricht durch "viele Beihilfe" dankte. Wenn wir dazu nehmen, dass ihn auch ein in der Stadt ans�ssiger, bemittelter Oheim m�tterlicherseits, der Schuhmachermeister Richter, unterst�tzte, der u. a. die Druckkosten seiner ersten Schrift ganz oder zum Teil getragen hat, und dass auch der Professor der Medizin Bohlius, dem er diese Erstlingsschrift als "Beweistum der Dankbarkeit" f�r das "besondere Merkmal" erzeigter "G�tigkeit" widmete "in seiner Kindheit und Jugend ihm und seinen Eltern wohlgetan" (Borowski): so begreifen wir, wie Studiosus Kant, der ja vom Elternhaus her an Sparsamkeit gew�hnt war, sich, ohne besonders zu darben, durch die Universit�tsjahre durchschlagen konnte. Zumal in einer Zeit, in der nach einer kgl. Verordnung von 1735 ein K�nigsberger Student von einer Jahressumme von � vierzig Reichsthalern "vorjetzo notd�rftig" sollte "subsistieren" k�nnen; wie denn noch 30 Jahre sp�ter Ludwig von Baczko, der sich freilich auch mit wenigem zu behelfen wu�te, bei einem Organisten blo� 60 Taler im Jahr f�r Wohnung nebst Heizung und Essen bezahlte. Ja, unser Kant konnte sich sogar � er "behalf sich freilich sehr sparsam", aber "ganzer Mangel traf ihn nie" � schon w�hrend seiner Studienzeit eine gr��ere Anzahl philosophischer B�cher anschaffen, die er auch seinen Freunden lieh. Diese halfen ihm daf�r n�tigenfalls auch einmal mit � Kleidern aus: wenn sich gerade seine Kleidungsst�cke beim Handwerker zur Reparatur befanden und er einen notwendigen Ausgang machen mu�te, so blieb einer der Kommilitonen tags�ber in seinem Quartier, und Kant ging � in einem "gelehnten" Rock, Beinkleidern oder Stiefeln aus. Hatte ein Kleidungsst�ck ganz ausgedient, so legte die ganze Gesellschaft zusammen, ohne dass man an Wiedergabe dachte.
Guten Humor hat er also schon damals besessen. Dass er �brigens auch mit anderen Studierenden Verkehr pflegte und f�r sie auch einzutreten sich nicht scheute, geht aus der aktenm��ig festgestellten Tatsache hervor, dass er in seinem dritten Semester einmal in Sachen eines stud. Hofmann vor dem akademischen Senat erschien, um in dessen Namen von einem dritten Kommilitonen, dem der andere "einen Rock und Weste abgelehnt", die schuldige Summe von 8 Gulden 22� Groschen zur�ckzufordern. Dagegen hat er allerdings weder Reiten, Fechten und Tanzen gelernt, wie der junge Lessing, noch gedichtet und geliebelt, wie der junge Goethe in seinem Leipziger Klein-Paris, I obschon es auch in dem damaligen K�nigsberg an Zerstreuungen verschiedenster Art nicht fehlte. An ausgelassenen Belustigungen hatte er keine Freude, noch weniger an "Nachtschw�rmereien", paf�r war die aus dem Vaterhause mitgebrachte Grundstimmung zu ernst, wie er denn auch selten gelacht haben soll. So wird er denn auch wohl kaum an der sonnt�glichen "Pantoffelparade" in der Vorhalle der Kneiph�fsehen "Thumkirche" teilgenommen haben, in der die lustigen Studios nach dem Gottesdienst Spalier zu bilden pflegten, um die aus der Kirche kommenden jungen Damen durch diese "Zensurgasse" laufen zu lassen: obwohl er schon damals Hang zur Satire zeigte und seinen Kameraden die Lekt�re der Sp�tter Montaigne und Erasmus empfahl. Ebenso wie vom Kneipen, hielten ihn auch von dem unter den K�nigsberger Studenten stark ausgebildeten finanziellen Borgsystem seine in dieser Beziehung besonders strengen Grunds�tze fern, und durch sein blo�es Beispiel gew�hnte er auch die n�heren Freunde unmerklich an die gleichen Gesinnungen. Seine liebste Erholung war das eifrig betriebene Billardspiel, das damals vielfach f�r die Studierenden eine Quelle des � Geldverdienens bildete.**) Das Kleeblatt Kant, Heilsberg und Wl�mer � beide letzteren Litauer � hatte es darin zu solcher Geschicklichkeit gebracht, dass sie selten ohne Gewinn nach Hause gingen, Heilsberg u. a. sogar seinen franz�sischen Sprachlehrer ganz von dieser Einnahme bezahlen konnte. Das Ende vom Lied war freilich, dass zuletzt niemand mehr mit den gef�rchteten Gewinnern spielen wollte; worauf sie dann als neuen "Erwerbsartikel" � das L�Hombrespiel w�hlten, in dem Kant sich ebenfalls t�chtig erwies. In seine Studienzeit fiel auch die 200 j�hrige Jubelfeier des Bestehens der Albertina, die sich mit zahlreichen Redeakten, Ehrenpromotionen, Gastereien und Umfahrten vom 27. August bis Mitte September hinzog und erst im Oktober mit einer Pregelfahrt der Studenten auf illuminierten Booten und mit einer Theatervorstellung von Corneilles Polyeukte endigte. Ob und wieweit sich der nun schon �ltere Studiosus Kant daran beteiligt hat, wissen wir nicht.
Nun aber von seiner �u�eren Lebensweise w�hrend der Universit�tszeit zu der wichtigeren Frage: Was bedeuten diese Jahre f�r seine innere Entwicklung? Zun�chst: was bot die damalige alma mater Albertina ihren Z�glingen?
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*) Nat�rlich waren alle Gelage strengstens untersagt, aber auch weithin schallende Instrumente durften blo� zwischen 12 und 1 Uhr mittags gespielt werden. N�herinnen oder W�scherinnen durften (um Verf�hrung zu vermeiden!) ihr Zeug nur durch Jungen in das Haus senden, dessen Pforten sich im Sommer bereits um 9, im Winter um 10 Uhr abends schlossen.
**) Es war zu seiner Zeit noch nicht die Verf�gung der kgl. Regierung vom 10. April 1752 erschienen, wonach den Studiosis nicht mehr gestattet werden sollte, "dass sie sich in den Coffee-, Wein-, Bier- und Billardh�usem einfinden, ins Spiel einlassen und dadurch um das Ihrige bringen."