
Bev�lkerung
So verschiedenartig die einzelnen Stadtteile in ihrem Gepr�ge waren, so verschieden, beinahe noch mittelalterlich voneinander abgeschlossen, waren auch die einzelnen Klassen der Bev�lkerung. Wer aus dem heutigen in das K�nigsberg des 18. Jahrhunderts versetzt w�rde, dem w�rde vor allen Dingen in die Augen fallen der Mangel einer eigentlichen Arbeiterschaft. Wohl gab es zu Kants Zeit schon eine m��ige Anzahl meist von Ausl�ndern begr�ndeter, zum Teil von "Schutzjuden" geleiteter Fabriken (der Leder-, Gaze-, Papier-, Tabak-, Seifen- und Tuchbereitung dienend), in denen um 1800 einige Tausend Menschen besch�ftigt gewesen sein sollen; aber sie wurden doch s�mtlich mehr oder weniger handwerksm��ig betrieben. Zu Arbeitern im heutigen Sinne konnte man fast nur die Lasttr�ger an den Schiffen und in den Speichern am Pregel sowie die Brauknechte rechnen. So z�hlt denn Baczkos genaue Statistik vom Jahre 1787 neben 7826 Ehem�nnern, 609 Witwern und 1688 unverheirateten M�nnern, d. h. Selbst�ndigen, blo� 1488 Gesellen, 1788 Lehrlinge und gar nur � 824 "Knechte und Diener" auf, von denen die letzteren gewi� zum gr��ten Teil auf das Konto der pers�nlichen Bedienung fallen. Die B�rgerschaft zerfiel in Gro�- und Kleinb�rger. Zu den Gro�b�rgern geh�rten in erster Linie die Kaufleute des Kneiphof und der Altstadt, sodann die Brauherren des L�benicht. Sie allein durften Gro�handel mit Fremden treiben, ihre Hochzeiten auf dem Junkerhofe halten, sie stellten die Kirchen- und Stiftsvorsteher. Zu den Kleinb�rgern z�hlten die Handwerker (darunter auch Kants Vater), die in jedem Stadtteil einen "Gemein-�ltesten" besa�en. Jede Zunft oder "Kunst" w�hlte ihren "�ltermann" auf Lebenszeit oder bestimmte Jahre; jede hatte ihre besondere Sterbe-, Kranken- und Armenkasse, ja sogar ihr eigenes Leichenger�t. Noch im Jahre 1798 empfingen die Z�nfte vor den Toren der Stadt das einziehende junge K�nigspaar mit ihren Fahnen und Musikkorps.
Der Adel wohnte nur zum Teil und im Winter in der Stadt. Aber auch, soweit er dort ans�ssig war, war es kein Hofadel. Seine Angeh�rigen f�hlten sich mehr als selbst�ndige Vasallen, denn als Untertanen. Noch im vorigen Jahrhundert sind Namen wie von Sch�n, von Hoverbeck, von Saucken u. a. durch den politischen Unabh�ngigkeitssinn ihrer Tr�ger bekannt geworden. Ein Teil war freilich in den milit�rischen oder h�heren Beamtendienst getreten.
Damit kommen wir zu einem weiteren, an Zahl bedeutenden Bruchteil der Bev�lkerung: dem Milit�r. Die Garnison umfa�te um 1787 nicht weniger als drei Infanterieregimenter, von denen jedes gegen 2200 Mahn unter Waffen, ungerechnet die etwa 250 Frauen und Kinder, z�hlte; dazu noch zwei F�silierbataillone, die H�lfte eines Dragonerregiments und eine Artilleriekompanie. Die Soldaten hatten damals noch keine Kasernen, sondern in verschiedenen Stadtteilen, je nach den Regimentern, ihre B�rgerquartiere.