
Schulsitten
Von sonstigen Einzelheiten aus Kants Schulleben l��t sich nichts mehr feststellen. Auch er wird als guter Sch�ler wohl �fters in Zopf, Kniehosen und wei�en Str�mpfen das untere Katheder betreten haben, in einer Zeit, wo die "Rede-Aktus" in den Lateinschulen so �berhand genommen hatten, wie im 18. Jahrhundert, wo z. B. bei der Jubelfeier der Augsburger Konfession 1730 im Altst�dtischen Gymnasium 21, im Kneiph�fschen 24 Sch�ler redeten, w�hrend 1791 � allerdings ein halbes Jahrhundert nach Kants Schulzeit � im Fridericianum mehrere Quartaner "�ber das Verdienst" sich verbreiteten, ja gar ein Quintaner (!) eine Abschiedsrede "Von der N�tzlichkeit des Kaufmannsstandes" hielt. Auch er wird an den Leichenbeg�ngnissen der Gro�-, Kleinb�rger und k�niglichen Offizianten (Beamten), namentlich an den von der ganzen Schule begleiteten "General-Leichen", sowie an den bei Gelegenheit der hohen Kirchenfeste �blichen "Umg�ngen", die mit Absingung von Psalmen und Chor�len, und zum Entgelt daf�r der Entgegennahme von Geld und Lebensmitteln aus den vornehmen B�rgerh�usern verbunden waren, haben teilnehmen m�ssen.*) Er wird sich auch als Oberprimaner am 20. Juli 1740 an der Huldigungsfeier zu Ehren des neuen K�nigs Friedrichs II. beteiligt**) und endlich wenige Wochen darauf als Secundus omnium seine lateinische oder deutsche Abschiedsrede bei der feierlichen Entlassung der Abiturienten gehalten haben.
Wie Hippel bezeugt, wohnte Kant als Gymnasiast nicht im Kolleggeb�ude, sondern trotz der weiten Entfernung bei seinen Eltern. So war er wenigstens nicht, wie die Pension�re des Internats, dem Zwang der Anstalt auch au�erhalb der Schulstunden �berantwortet. Seine Eltern taten f�r ihn, was sie konnten, zumal da der Vater damals noch soviel verdiente, dass die Familie durchaus keine Not litt. Sie bezahlten das Schulgeld nicht blo� f�r die Pflicht-, sondern auch f�r die Privatstunden in Franz�sisch und Mathematik, um den geliebten Sohn zu f�rdern: w�hrend sie sich anderseits doch die taktvolle Art der Unterst�tzung gelallen lie�en, die ihnen Direktor Schultz gew�hrte indem er ihnen ab und zu einen Teil des Brennholzes, das nach" der Sitte der Zeit einen Teil seines Gehaltes bildete, unerwartet und unentgeltlich anfahren lie�. Der religi�se Ton war zwar auch im Elternhause heimisch, auch hier wurde sicherlich, was zudem den in der Stadt wohnenden Sch�lern dringend empfohlen war jeder Tag mit Gebet begonnen und beschlossen; aber Immanuel hatte, bei seiner Begabung, doch mehr Zeit zu Spiel und Erholung.
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*) Noch als 73 j�hriger in seiner Rechtslehre (Philos. Bibl. Bd. 42, S. 203 f.) tadelt er, dass "die Pauperburschen die Unzul�nglichkeit des wohlt�tig errichteten Schulfonds durch bettelhaftes Singen erg�nzen m�ssen". Man erinnere sich an den jungen Currenden-S�nger Martin Luther.
**) Schade, dass sie nicht einige Wochen sp�ter stattfand, sonst h�tte er den dem K�nige gebrachten Fackelzug und die zum Dank daf�r von Friedrich gespendete Bewirtung der Studenten im Kneiph�fschen Junkerhof mitmachen k�nnen. Er w�rde allerdings wohl kaum zu denen geh�rt haben, die, weil sie nicht mehr imstande waren, allein nach Hause zu gehen, auf des K�nigs ausdr�cklichen Befehl von Wachmannschaften dahin begleitet wurden.